07.11.2012 - steineggerpix.com

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Impressions of our Holiday Expedtion Cruise with MS Bremen / Hapag-Lloyd to Antarctica 2012

October 27th - December 5th, 2012: Lugano - Tenerife - Montevideo - Falkland Islands - South Georgia - South Shetlands -
Peninsula Antarctica - Drake Passage - Kape Hoorn - Ushuaia - Buenos Aires - Iguacu Waterfalls - Lugano

written by vreni steinegger / pictures shot by rémy steinegger for fun ...

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Mittwoch, 7. November 2012 – Auf See, Kurs Montevideo / Uruguay

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Als heutige Mittags-Spezialität wird gemäss Programm folgendes aufgeführt: „Das Mittagsbuffet, zum Seemannssonntag, ist angerichtet“. Das lese ich aber erst jetzt, am 21. Dezember 2012, zuhause auf den Weltuntergang wartend. Ich mache mir für meine Reisetagebücher während der Reise nie Notizen, nehme aber immer alle Tagesprogramme mit, an denen ich mich dann orientiere.
Da ich keine Ahnung habe, was ein Seemannssonntag ist, frage ich mal Wikipedia.
Und da steht: „Der Seemannssonntag ist eine seemännische Tradition, die am Donnerstag jeder Woche von den Besatzungen von Handelsschiffen und den auf See als auch an Land stationierten Angehörigen der Deutschen Marine befolgt wird. An diesem Tag gibt es für die Besatzungen ein besonders gutes Essen, vergleichbar mit dem Sonntagsessen“
Soweit so gut, aber wir haben heute Mittwoch, nicht Donnerstag. So entwickle ich jetzt aus dem Stegreif gewisse Theorien, warum wir den Sonntag heute haben:
1. Wir sind ein Passagierschiff und kein Handelsschiff, das Ware befördert. Obwohl, eigentlich sind wir ja auch Ware. Immerhin verdient die Reederei Kohle damit, dass sie uns irgendwohin befördert. Ausser natürlich mit den Umsonst-Mitfahrenden.
2. Da unser IQ sich schon seit längerem auf Meereshöhe, sprich Null, eingependelt hat, nimmt die Kreuzfahrtdirektion an, dass es uns völlig egal ist, wann dieser Sonntag ist. Hauptsache es gibt lecker Essen.
3. Unser Schiff heisst zwar MS Bremen, ist aber in Nassau, also auf den Bahamas zu Hause. Jedenfalls steht das so am Schiff angemalt und die Rettungsringe, die überall herumhängen sagen das gleiche. MS Bremen – Nassau! Und in Nassau ist wahrscheinlich der Mittwoch Donnerstag. Oder so.
Abends ist dann das Chefs Dinner. Endlich wird mal die ganze Küchenmannschaft von Tobias, unserem Küchenchef vorgestellt. Wir alle sind natürlich  total angetan von dieser Truppe. Essen wir doch seit Beginn der Reise an- und ausdauernd und das auf sehr hohem Niveau.
Allerdings werden Tobias, wie auch der Kapitän in ein paar Monaten die MS Bremen verlassen. Der Kapitän weil er zu Höherem, sprich Kapitän auf der MS Europa oder MS Hanseatic, genau habe ich es nicht verstanden oder wieder einmal nicht zugehört, berufen wurde. Als ich ihm sage, dass ich nicht ganz nachvollziehen kann, wie man von einem Expeditionsschiff auf so einen superschniekefeinen Fünf Sterne Dampfer wechseln kann, lächelt er nur. Und auch meine Drohung, dass wir uns dann nie mehr wiedersehen werden, nimmt er völlig ungerührt hin. Aber vielleicht überdenkt er das Ganze ja nochmals. Für die MS Bremen wäre sein Abgang ein sehr grosser Verlust.
Tobias übernimmt die Leitung und Oberaufsicht sämtlicher Hochsee- und Flussschiffe der Gesellschaft. Ein Bürojob. Was Flussschiffe? Hapag-Lloyd hat gar keine Flussdampfer! So werden wir bei einem unserer netten Schwätzchen darüber aufgeklärt, dass ausser der nautischen Crew und einem Kellner kein einziger Mensch mehr bei Hapag Lloyd angestellt ist. Das haben die schon lange an eine Firma in Zypern ausgelagert. Aber das Hotelpersonal, also Küche, Kabinenpersonal, Rezeption, Wäscherei und Service ist super zufrieden damit. Scheinbar ist in Zypern das Wort Steuern unbekannt. Noch! Übrigens arbeitet die gesamte Crew sieben Tage die Woche durch  und das während 4-5 Monaten. Die asiatischen Mitarbeiter arbeiten meistens 8 Monate durch. Das muss man sich mal vorstellen.
Der einzige bei Hapag festangestellte Kellner heisst Uwe und ist schon etwas älter, das übrige Personal ist ja sehr jung. Und Uwe verfügt noch über einen unkündbaren Arbeitsvertrag mit Hapag Lloyd.

Kommentare an die Autorin sind willkommen!

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1. REPLIK:

by Manfred Reich, Freund aus Berlin, aufmerksamer Beobachter, selber seit kurzem bekennender Kreuzfahrer und bekannt als einer, der den Tatsachen fadengerade ins Auge sieht!

Was auf der MS Bremen wirklich geschah als die Offiziere den Service übernahmen und die Passagiere das Schiff steuern durften

Eine Rekonstruktion.


Am Tag vor dem „Offiziersdinner", der Maître beim Kapitän.

M:  Chef so kann das nicht weiter gehen. Die Typen von Tisch 37 mischen jeden Tag die Servicecrew auf und bringen das ganze Restaurant durcheinander. Entweder wir erhalten eine Erschwerniszulage oder wir streiken.

K:  Ihr habt wohl ’n Vogel.

M:  Gut, dann eben heute Abend kein Service.

K:   (ruft die Offiziere zusammen)
Meine Herren heute Abend Sonderdienst im Restaurant, die Servicecrew streikt, machen wir das halt. Tisch 37 übernehme ich.

1.O:  (erleichtert)  o.k. Chef.

Am nächsten Vormittag Krisengespräch beim Kapitän.

M:  Gibt’s jetzt mehr Knete oder was?

K:  Nix gibt’s. Die Irren von Tisch 37 bringen wenigstens ein bisschen Leben in die Bude. Und wenn Ihr nicht unverzüglich wieder an die Arbeit geht werdet Ihr auf den Peter & Paul Felsen ausgesetzt. Frauen auf Peter und Männer auf Paul.

M zieht sich zur Beratung zurück.

1.O:  Aber Chef wir können doch nicht dauerhaft als Streikbrecher auftreten. Die Forderung der Werktätigen auf unserem Schiff scheinen mir nicht überzogen und auch wir Offiziere sollten uns solidarisch verhalten.

K:  Oh Gott!

Alarmmeldung von der Brücke, der Autopilot ist ausgefallen.

1.O:  Was sollen wir denn jetzt machen, was sollen wir denn jetzt machen? Chef sag’ doch auch mal was.

K:  Man steuert per Hand.

3.O:  Per Hand??

2.O:  Per Hand??

1.O:  Per Hand?? - aber Chef das haben wir noch nie gemacht.

K:  Dann holt den Steuermann, was glaubt Ihr warum der so heißt?

2.O:  Äh, das geht nicht?

K:  Wieso?

2.O:  Der liegt stinkbesoffen in seiner Koje, weil er nichts zu tun hat.

1.O:  Können Sie nicht Chef....

K:  Nee ich erkläre mich solidarisch mit dem Streik der Werktätigen und streike auch.

1.O:  (verzweifelt)  Und jetzt?

K:   Lasst halt die Passagiere fahren, mir doch egal.

3.O:  Spitzenidee, da machen wir ein Event draus und keine Sau kriegt mit, dass wir auch nur Schlangenlinie fahren können. In der Zwischenzeit kann der Doc den Steuermann wieder frisch machen, oder der Chief repariert den Autopiloten.

K:  Wo ist der überhaupt?

2.O:  In der Küche, der Toaster ist kaputt.

K:  Der soll mal rz (rasend zackig) hier erscheinen.

C:  Kommt, wirft einen Blick auf den Autopiloten  sh... (engl.), verschwindet wieder.

C:  Kommt zurück, wirft einen Blick auf den Autopiloten  f... (auch engl.), wo ist denn dieser Schweizer?

3.O:  Was für’n Schweizer?

C:  Na der Fotograf, der jeden Vormittag im Fitnesscenter auf dem Rad rumtobt.

3.O:  Was hat der denn damit zu tun?

C:  Na der liefert den Strom für die Elektronik.

K:  Ich glaub’ es nicht.

C:  Noch nie was von Umweltschutz und CO2 Reduktion gehört? Aber wenn man sich nicht mal mehr auf die Schweiz verlassen kann.

M:  Kommt von der Beratung zurück. Also die crew ist mit dem Aussetzen einverstanden, aber nur auf einer Karibikinsel.

K:  Ich glaub’ es nicht. Wie sollen wir denn jetzt in die Karibik kommen   -   ohne Autopilot?
Wisst ihr überhaupt wo wir sind?  

1.O:  Also ehrlich gesagt....

K:  Sie hat keiner was gefragt.

M:  Unser letztes Angebot. Wir machen weiter unter der Bedingung dass Tisch 37 unter ärztliche Aufsicht kommt...

K:  O.k. ich schick den Doc vorbei.

M:   ...und dass die 5 €, die Sie als Trinkgeld erhalten haben der Mannschaftskasse zugute kommen.

K:  Zuckt zusammen, weil er schon per Funk die 5 € als Nebeneinkünfte der Reederei und dem Finanzamt angezeigt hat. In Teufels Namen, dann zahl’ ich das eben aus eigener Tasche,
damit hier endlich wieder Frieden herrscht.

So war das!



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