29.11.2012 - steineggerpix.com

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Impressions of our Holiday Expedtion Cruise with MS Bremen / Hapag-Lloyd to Antarctica 2012

October 27th - December 5th, 2012: Lugano - Tenerife - Montevideo - Falkland Islands - South Georgia - South Shetlands -
Peninsula Antarctica - Drake Passage - Kape Hoorn - Ushuaia - Buenos Aires - Iguacu Waterfalls - Lugano

written by vreni steinegger / pictures shot by rémy steinegger for fun ...

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Donnerstag, 29. November 2012 – Kap Hoorn / Chile,
Puerto Williams / Chile, Ushuaia / Argentinien

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Sehr früh stehen wir heute auf. Keiner will sich unsere Annäherung an das berüchtigte Kap Hoorn entgehen lassen. Und da ist es. Hohe Wellen schlagen auf die Felsen und der Wind bläst kräftig. Bereits für ca. 07.30 Uhr ist die erste Zodiac -Anlandung für Kap Hoorn geplant. So um 06.00 Uhr geht das Pilot-Boot längsseits und wir nehmen den Lotsen an Bord. Das Manöver gelingt trotz der widrigen Umstände ohne Probleme. Ja und dann kommt die Durchsage, die wir schon erwartet haben. Keine Anlandung auf Kap Hoorn möglich, dem grössten Schiffsfriedhof der Welt. Die See vor Kap Hoorn hat bisher etwa 800 Schiffe versenkt und rund 10‘000 Menschen das Leben gekostet. Und da will man ja nicht unbedingt in diese Statistik aufgenommen werden. „Am 29. November 2012 im Gummiboot am Kap Hoorn ersoffen" soll definitiv  nicht auf meinem Grabstein stehen.
So dürfen wir unsere Gummistiefel und die Parkas, die wir eigentlich um 10.30 Uhr hätten abgeben sollen noch etwas länger behalten. Der Kapitän hat spontan entschieden, dass wir statt nur eines technischen Stops vor Puerto Williams die südlichste Stadt der Welt auch anschauen dürfen. Das war nicht vorgesehen. Technischer Stop hat nichts damit zu tun, dass wir das Schiff kaputt gemacht haben. Sondern, wir sind in Chile eingewandert und müssen da ja auch wieder auswandern. Also viel Papierkrieg und Pässe stempeln. Und natürlich eine Einnahmequelle für Chile.
So findet  um 10.00 Uhr eine Vorschau auf Puerto Williams und Ushuaia statt und um 11.45 gehen wir vor Anker. Sofort anschliessend kommt der Kapitän angerast, da wir ihm gestern angedroht haben, dass er noch Schreckliches von unserer Seite zu erwarten hat. Eigentlich wollten wir das mit ihm auf der Brücke erledigen. Durch die Änderungen des Tagesprogrammes scheint uns aber ein Besuch da oben momentan nicht angesagt. Die hatten und haben heute noch viel zu tun. Dass er bei all diesem Trouble noch an uns gedacht hat, rechnen wir ihn hoch an. Etwas angespannt sitzt er nun an unserem Tisch und erst nachdem wir ihm versichern, dass wir morgen ganz, ganz sicher und Ehrenwort und versprochen das Schiff verlassen werden macht er sich etwas lockerer. Rémy geht unterdessen Uwe suchen und finden. Nun ist der Vorstand des Pinguinclubs vollzählig und mit einer stimmigen Rede von Uwe, unserem Pressesprecher nehmen wir den Kapitän einstimmig als Zwangsmitglied in unseren Club auf. Sehr erleichtert und dankend nimmt er die Ehre an. Ich habe keine Ahnung was er sich vorgestellt hat was wir mit ihm machen werden. Andrea als Vorstandsvorsitzende übernimmt das Pinanstecken an die Kapitänsbrust und die Gäste an den umliegenden Tischen rollen mit den Augen.
Nach dem Mittagessen entscheide ich, dass ich Puerto Williams mit seinen 2200 Einwohnern in Ruhe lasse. Vom Schiff aus erscheint mir diese Ansammlung von Häusern und der Baulärm, der bis zu uns herübertönt wenig verlockend. Und ich will die letzten Stunden an Bord noch geniessen. Andrea und Andreas schliessen sich mir an, während Birgitt, Uwe und Rémy sich Puerto Williams nicht entgehen lassen wollen. Rémy kommt aber relativ zügig wieder zurück und meint, dass wir nichts verpasst haben.
Um 16.30 Uhr kommt der letzte Zodiac zurück und ich schaue wehmütig beim Verstauen und Festzurren der Boote auf Deck 7 zu. Sie werden nie mehr für uns zu Wasser gelassen. Und wenig später heisst es das letzte Mal Anker hoch und wir machen uns auf nach Ushuaia,  Hauptstadt der argentinischen Provinz  Tierra del Fuego, Feuerland. Knapp 30 Seemeilen entfernt.  
In Ushuaia angekommen muss das Schiff wieder einklariert werden, wir sind ja jetzt in Argentinien. Das dauert und so essen wir ein leicht vorgezogenes Abendessen an Bord  bevor wir uns aufmachen Ushuaia zu erobern. Und scheitern schon fast an der ersten Strassenkreuzung die wir völlig unkoordiniert in Angriff nehmen. Wir haben keine Ahnung mehr, wie man als Fussgänger stark befahrene Strassen überquert. Die letzten 5 Wochen  querten höchstens Pinguine unseren Weg. In Montevideo wurden wir ja am Schiff abgeholt und auch wieder am Schiff abgeladen. Die wussten warum. Weit laufen müssen wir allerdings nicht, um uns im weltberühmten Irish Pub von Ushuaia  vom Kulturschock zu erholen. Die Crew hat uns den Tip gegeben und Crewmitglieder wissen an jedem Ort der Welt, was angesagt ist. Im Pub fühlen wir uns auf Anhieb wohl und vergessen, dass morgen das eintrifft, was wir nie für möglich gehalten haben. Die Vertreibung aus dem Paradies.
Später kommen auch noch Evelyne und Roger, unsere Weltenbummler dazu. So reden wir über unsere Eindrücke und Erlebnisse der vergangenen Wochen und alle ausser mir trinken wieder komisches  Bier. Dabei hat es so eine schöne Weinkarte.
Aber irgendwann ist auch für uns Schluss. Die Koffer müssen noch gepackt werden, da ihr Abholtermin morgen sehr früh ist. Und nach diesem Abend möchten wir lieber etwas länger schlafen.


Kommentare an die Autorin sind willkommen!


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