15.11.2012 - steineggerpix.com

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Impressions of our Holiday Expedtion Cruise with MS Bremen / Hapag-Lloyd to Antarctica 2012

October 27th - December 5th, 2012: Lugano - Tenerife - Montevideo - Falkland Islands - South Georgia - South Shetlands -
Peninsula Antarctica - Drake Passage - Kape Hoorn - Ushuaia - Buenos Aires - Iguacu Waterfalls - Lugano

written by vreni steinegger / pictures shot by rémy steinegger for fun ...

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Donnerstag, 15. November 2012 – New Island / Westliche Falkland-Inseln und
Steeple Jason, Jason Islands / Nordwestliche Falkland-Inseln / Britisches Überseegebiet

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Geweckt werden wir um 07.45 Uhr durch einen sadistischen Offizier auf der Brücke. Der Anker fällt. Und je nachdem, wo man seine Kabine hat steht man dann senkrecht im Bett. Wir haben noch Glück, wir wohnen so ziemlich mittschiffs aber wie mir Bugbewohner glaubhaft versichern, ist das Ankerkettenrasseln ohrenbetäubend. Und eigentlich müssen Rémy und ich noch gar nicht so früh aufstehen. Gruppe Grün ist für diesen, unseren ersten Landgang erst als Nummer 3 dran. Gruppe Weiss wird aber schon um 08.30 Uhr ausgebootet. So können wir uns nach dem Frühstück gemütlich für den Landgang umziehen. Und das dauert bei mir:  Socken, Fleecesocken darüber, Hosen, einen Unterziehpulli, eine Fleecejacke darüber. Dann die unaussprechlichen Wasserspritzschutzhosen, Gummistiefel, Schal und Pulswärmer montieren. Den Parka, die Taschen gefüllt mit Mütze, Handschuhe, Taschentücher, Lippenpomade, Sonnenbrille, Sonnencreme und was Mann oder Frau sonst noch zum Überleben braucht. Und am Schluss die Zodiac-Rettungsweste darüberziehen. Rémy hat ausserdem noch einen Teil der Viererbande und den Rucksack mit der grossen Fotoausrüstung dabei. Rein optisch haben nun alle etwa zwei Kleidergrössen zugelegt. Wohlverstanden, wir sind noch in warmem Gebiet. Die Temperatur ist um die 10 Grad. So stehen wir dann dick wie die Michelin-Männchen schwitzend im Treppenhaus und warten auf unseren Zodiac.
Die Anlandung ist einfach, ausser man zieht einen Gummistiefel voll Wasser raus wie ich.  Nach einem kleinen Fussmarsch auf die andere Seite der Insel stehen wir staunend da. Steil abfallend zur Bucht erschliesst sich uns so eine Art Amphitheater mit unzähligen Felsenpinguinen, Schwarzbrauen-Albatrossen, Blauaugenkormoranen und anderen Vögeln. Laut schnatternd und geschäftig haben alle diese Pinguine viel zu tun. Die einen bauen noch Nester, andere brüten bereits. Bei vielen erschliesst sich mir nicht ganz, was sie gerade machen. Dazwischen äugen die Skuas, das sind Vögel, wachsam ob sie nicht ein Ei ergattern können. Die Pinguinweibchen legen nämlich fast immer zwei Eier. Wobei das eine nur halb so gross ist wie das andere und meistens nicht ausgebrütet wird. Vielleicht eine Opfergabe. Tiere sind ja intelligent was die Arterhaltung betrifft. Solange der Mensch sich nicht einmischt.
Die Felsenpinguine heissen im Englischen übrigens Rockhoppers, da sie eigentlich immer hüpfen und haben eine verblüffende Ähnlichkeit mit  Andrea. Rein frisurmässig.
Über Pinguine werde ich zukünftig noch zu erzählen haben. Aber für heute müssen diese Informationen reichen. Erschlagen von all diesen Eindrücken beschliessen Andrea, Andreas und ich, dass wir uns auf den Weg zum Mutterschiff machen. Rémy ist von nun an auf Landausflügen für mich „persona quasi non esistente". Nicht, weil ich ihn nicht mehr mag. Nein, sein Fotografenherz schlägt Kadenzen höher und der Motive, nicht nur Tiere, sind unendlich viele. Man muss sie nur sehen. Und Rémy sieht sie. Erschwerend kommt dazu, dass Tierfotografie eine unglaubliche Geduldssache ist. Rémy hat Geduld, ich nicht. Da mich seine Fotos aber immer wieder auf’s Neue begeistern,  komme mit dem Verlust seiner Präsenz ausgezeichnet zu Gange. Andrea und Andreas sind von nun an meine Ersatzfamilie auf Landausflügen. Uwe ist tendenziell eher auf Rémy’s Seite und Birgitt hat Schmerzen im Knie und macht ihr eigenes Tempo. So hat jeder was er braucht. Leider sind Irene und Pit nicht in unserer Gruppe Grün.
Um 11.30 kommt das letzte Zodiac zurück an Bord und um 12.00 Uhr machen wir uns auf den Weg nach Steeple Jason. Rund 80 Kilometer nördlich. Dort landen wir aber nicht an, sondern sehen vom Schiff aus die grösste Brutkolonie von Schwarzbrauen-Albatrossen weltweit. Immerhin 200‘000 Brutpaare die pro Paar ein Ei ausbrüten. Ohne Fernglas habe ich aber zuerst geglaubt, es handle sich um einen weitläufigen Sandstrand.


Kommentare an die Autorin sind willkommen!


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7. REPLIK:

by Manfred Reich, Freund aus Berlin, aufmerksamer Beobachter, selber seit kurzem bekennender Kreuzfahrer und bekannt als einer, der den Tatsachen fadengerade ins Auge sieht!

Sonnenuntergang

Der 1.O stürzt kreidebleich auf die Brücke. Der 2.O hat Dienst.

2.O:  Du bist ja völlig außer Dir. Was ist ?

1.O:  (stammelt)  die S ..Sonne...

2.O:  Ja, total schön, selten einen solchen Sonnenuntergang gesehen.

1.O:  Die ist auf der falschen Seite Mann, wo fährst Du denn hin?

2.O:  (völlig entspannt)  Richtung Nordpol, Pinguine gucken. Wir fahren nach Norden, die Sonne steht links von uns im Westen, wo sie hingehört, also beruhige Dich.

1.O:  Wir wollen aber in die Gegenrichtung Du Knallcharge, (zeigt nach hinten) Richtung Südpol, am Nordpol gibt’s keine Pinguine.

2.O:  (jetzt auch kreidebleich)  Oh, mein Gott!

1.O:  Wenden, sofort wenden die Schüssel und beten, beten dass der Alte nichts merkt und butterweich, hörst Du, butterweich. Wenn da auch nur ein Glas überschwappt im Restaurant, wo der Alte sitzt, dann verbringst Du die nächsten Wochen mit einem Lunchpaket auf einem Eisberg. Wo hast Du überhaupt Deine Ausbildung gemacht? Auf einem Flussdampfer in Zypern?

Später als der Kurs wieder stimmt und sich die Lage einigermaßen normalisiert hat, kommt der Kapitän auf die Brücke. Der 2.O klammert sich, weiß wie die Wand, mit weichen Knien an das Ruder.

K:  Haben wir heute 2 Wachhabende?

1.O:  Nein, ich bin nur wegen der Sonne hier.

K:  Ein gigantischer Sonnenuntergang und Ihr habt ihn für beide Seiten des Restaurants in Szene gesetzt.  ...

Der 2.O wird ohnmächtig.

... Ein großartiges Manöver, butterweich, das habt Ihr wirklich gut gemacht. Die Passagiere waren begeistert. (Bemerkt den am Boden liegenden 2.O.) Was ist mit dem 2.O? Rettungsteam alarmieren, schnell.

1.O:  Aye, aye Käptn.

Der Kapitän kniet neben dem Ohnmächtigen und öffnet dessen Hemdkragen.

1.O:  Vielleicht hilft ein Schnaps bis der Doc kommt. (Reicht dem Kapitän einen Flachmann.)

K:  Gute Idee. (Nimmt einen kräftigen Schluck und gibt den Flachmann zurück.)

Später, mittlerweile kümmert sich das Rettungsteam um den Ohnmächtigen.

K:  Hat er es mit dem Herzen?

Doc:  Nein, eher mit den Nerven. Nichts Ernstes, morgen ist der wieder wie neu.

K:  Gut, gut.  1O  da Sie schon mal hier sind übernehmen Sie die Wache.

1.O:  Aye, aye Käptn.

K:  Nun hören Sie schon auf mit der Eierei. Ich lege keinen Wert auf Förmlichkeiten, sagen Sie einfach nur Chef zu mir.



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