23.11.2012 - steineggerpix.com

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Impressions of our Holiday Expedtion Cruise with MS Bremen / Hapag-Lloyd to Antarctica 2012

October 27th - December 5th, 2012: Lugano - Tenerife - Montevideo - Falkland Islands - South Georgia - South Shetlands -
Peninsula Antarctica - Drake Passage - Kape Hoorn - Ushuaia - Buenos Aires - Iguacu Waterfalls - Lugano

written by vreni steinegger / pictures shot by rémy steinegger for fun ...

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Freitag, 23. November – Auf See - Kurs Elephant Island
Südliche Shetlandinseln / Britisches Überseegebiet

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Die Wellenhöhe beträgt nur noch 4 Meter und die Windgeschwindigkeit ist auf 5 Beaufort zurückgegangen. So können wir unser Frühstück wieder im Bremenclub einnehmen. Christian, unser heutiger Kellner ist gar nicht gut drauf. Als ich ihn frage, was den los ist meint er missmutig: "Dieses ganze Geschaukel geht mir so auf den Sack!" O-Ton Christian. Wir lachen uns kaputt, können ihn aber sehr gut verstehen, da wir uns so wenig wie möglich bewegen. Der Kapitän hingegen ist in Hochform. Wahrscheinlich weil alle Passagiere noch essen. Beim morgendlichen Rundgang fragt er, wie es uns denn so geht. „Ach, ich verwese so langsam vor mich hin" antworte ich. Bissig gibt er zurück: "Aber das Aas zuckt noch!" Auch Birgitt kriegt ihr Fett ab als sie bemerkt, dass das Schiff doch noch recht wackle. Sag nie einem Kapitän, dass sein Schiff wackelt. Da ist er dann schwer in seiner Ehre getroffen. Ein Schiff rollt, stampft, und giert. Aber es wackelt nie!
Bei solchem Geplänkel ist es schnell 10.00 Uhr und Zeit für Den Vortrag von Heinz Ahammer „Bau und Inbetriebnahme der deutschen Forschungsstation Neumayer III". Heinz war viele Jahre im Auftrag des Alfred-Wegener-Instituts als Logistik-Koordinator und Stationsbetreuer in der Antarktis tätig. Der Vortrag ist spannend und sehr interessant. So eine Forschungsstation in polarem Gebiet ist ja auch nicht einfach zu bauen. Das Eis bewegt sich immer und weil es ja auch schneit versinkt eine Station über die Jahre im Schnee. So ist die Technik beim Bau sehr aufwändig und wenn einem mal 2 Eisenpfeiler fehlen, kann man nicht zum nächsten Baumarkt ums Eck gehen. Auch sind die Zeitfenster, wo bauen möglich ist sehr kurz. Und eine Forschungsstation soll mindestens 25 Jahre in Betrieb bleiben und die Antarktis nach dieser Zeit ohne Rückstände zu hinterlassen wieder verlassen.
Der Wellensituation angepasst findet der „Bremer Freimarkt" im Club und auf dem Lidodeck statt. Vorgesehen war dieses Fest eigentlich auf dem Pooldeck. Aber so weit oben bremst die Wellenhöhe den Appetit merklich ein und Gehen wird zu einer echten Herausforderung. Auch die Crew ist zufrieden, hätte sie doch wieder alles nach oben schleppen müssen. Die Stimmung während des Freimarkts ist ausgelassen. Freibier und FreiSchnaps fliessen in Strömen. Ich finde es auch sehr nett, dass ich Freiwein bekomme. Anschliessend wird eine riesige Geburtstagstorte aufgefahren. Unsere MS Bremen wird  heute nämlich 19 Jahre alt. Aber eigentlich ist sie schon 22 Jahre alt. Die MS Bremen wurde 1990 als „Frontier Spirit" in Japan gebaut und kam 1993 als Expeditionsschiff zur Hapag-Lloyd Flotte. Sie hat die höchste Eisklasse 4. Das heisst, sie kann eine Eisdicke bis 1 Meter dank ihres verstärkten Rumpfes bewältigen. Sie ist aber kein Eisbrecher. Einfach gesagt, ein Eisbrecher lässt sich dank Ballastumpumpen auf‘s Eis fallen während Schiffe mit Eisklasse ins Eis hineinfahren und das Eis wegdrücken. Und wie der Kapitän später einmal treffend sagt: „Es ist für mich und die Bremen kein Problem in’s Eis hinein zu kommen, aber wir müssen da ja auch wieder rauskommen".
Ja, und dann hatte unser Bremchen auch schon ein schwerwiegendes Problem. Auf Wikipedia liest sich das wie folgt:
„Am 22. Februar 2001 wurde die Bremen auf der Fahrt von Südargentinien nach Rio von einer 30 Meter hohen Monsterwelle überspült. Das Schiff trug dabei schwerwiegende Schäden davon, so wurde unter anderem eine Brückenscheibe von den Wassermassen aus dem Rahmen nach innen gedrückt. Durch das eingedrungene Salzwasser fielen Teile der Elektronik und in der Folge auch die Hauptmaschine aus. Das Schiff trieb mit 40 Grad Schlagseite ca. 30 Minuten manövrierunfähig in der See, bevor es der Mannschaft gelang, den zur Wartung zerlegten Hilfsdiesel bei schwerer See zusammenzusetzen und zu starten, um mit seiner Hilfe die Kontrolle über die Bremen wiederzuerlangen. Vier Tage später wurde das Schiff als Havarist in den Hafen von Buenos Aires geschleppt."
Wenn man jedoch das Internet durchforstet und die Reiseberichte der damaligen Passagiere liest, haben die den Horrortrip ihres Lebens erlebt.
Und für mich ist die MS Bremen ein tapferes kleines Schiff, das uns sicher über den Atlantik gebracht hat und auch die Antarktis bewältigen wird. Und schon seit 26 Tagen unser Zuhause ist und ich mich hier sehr geborgen und willkommen fühle. Ich wünsche ihr von Herzen ein langes Leben und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel. Happy Birthday, MS Bremen!

Kommentare an die Autorin sind willkommen!


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