09.11.2012 - steineggerpix.com

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Impressions of our Holiday Expedtion Cruise with MS Bremen / Hapag-Lloyd to Antarctica 2012

October 27th - December 5th, 2012: Lugano - Tenerife - Montevideo - Falkland Islands - South Georgia - South Shetlands -
Peninsula Antarctica - Drake Passage - Kape Hoorn - Ushuaia - Buenos Aires - Iguacu Waterfalls - Lugano

written by vreni steinegger / pictures shot by rémy steinegger for fun ...

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Freitag, 9. November 2012 – Auf See, Kurs Montevideo / Uruguay

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Gemütliches Ausschlafen ist angesagt. Die Uhren wurden diese Nacht wieder eine Stunde zurückgestellt. UTC minus 3.
Da ich unterdessen vorsichtig geworden bin, lese ich nun auch immer die Rückseite unseres Tagesprogramms. Und da steht: „Kulinarisches Wunschkonzert". Die Gäste werden gebeten sich aktiv an der Menügestaltung zu beteiligen. Bis 19.00 Uhr kann man einen Zettel mit seinem speziellen Essenswunsch abgeben. Und die am meist genannten Wünsche werden morgen Abend dann von der Küchencrew zubereitet. Obwohl ich Nachspeisen eigentlich nicht mag, Obstsalat und so ausgenommen, träume ich schon lange von Windbeuteln. Die gibt es zwar öfter beim traditionellen Kaffee und Kuchen, der täglich zwischen 16.00 Uhr und 17.00 Uhr stattfindet. Aber diese Windbeutel sind immer mit Schokolade, Mokka oder so gefüllt. Und das mag ich nicht. Doch nun sehe ich meine Stunde kommen und starte eine Unterschriftensammlung. Schweizer beginnen Veränderungen in ihrem Leben immer mit einer Unterschriftensammlung. Der Wunsch ist simpel: „Ich,  Verena Steinegger, Kabine 422 und alle unterschreibenden Passagiere wünschen sich Windbeutel ohne Pipapo, nur mit leicht gesüsster Sahne gefüllt". Obwohl ich nicht weiss, ob da tatsächlich jemand unterschreiben wird, starte ich meine Initiative. Tisch 37 unterschreibt lückenlos und „meine" ganze Lidodeck-Truppe ebenfalls, ebenfalls einige Indoor-Passagiere. Ich muss sogar einen zweiten Zettel organisieren, der Erste ist im Nu voll mit Unterschriften. Ich bin überwältigt ob dieser Solidarität, obwohl ich mir unter anderem anhören muss: „Wir unterschreiben gerne aber wir müssen das dann nicht etwa essen!!?" So bringe ich die Zettel stolz zur Rezeption und die nette Dame schaut mich entgeistert an und fragt: „Was ist denn das?" „Na, mein Menüwunsch für morgen!" Unterdessen gesellt sich die ganze Rezeptionscrew dazu. Ebenso Insa, unsere Maître und der Hoteldirektor Stefan und alle starren auf meine Unterschriftensammlung. Stefan meint dann lakonisch: „Wir werden das unkommentiert so an die Küche weiterleiten". Ja, was denn sonst!
Am Nachmittag hänge ich gedankenverloren an der Reling und betrachte lange Zeit das Meer als jemand hinter mir fragt: „Heimweh?" Es ist der Kapitän. „Was? Wie? Warum Heimweh?" antworte ich völlig entgeistert. „Weil Sie so sehnsuchtsvoll nach Norden blicken, unsere Reise geht aber in die andere Richtung weiter." „Ach, leider habe ich wie immer keine Ahnung wo Norden oder Süden ist. Aber Heimweh habe ich garantiert keines. Es ist so schön hier und diese Reise geht mir eindeutig viel zu schnell. Ich will noch gar nicht in Montevideo ankommen." So gucke ich dann noch ein Weilchen nach Süden und bin der Meinung, dass der Atlantik nach Süden gleich aussieht, wie wenn man nach Norden schaut. Wie immer viel Wasser.
Am Abend findet der Kapitäns Abschieds-Cocktail im Bremen-Club mit nachfolgendem Abschieds-Abendessen im Restaurant statt. Tisch 37, ausser Jochen natürlich, schleicht sich durch den Hintereingang an die Bar. Wir sagen der MS Bremen und ihrer Besatzung noch lange nicht Adieu.
Ab 21.30 Uhr ist im Bremen-Club: „ Der legendäre MS Bremen Crew-Chor verabschiedet sich von Ihnen mit Liedern und Shantys". Ein wundervoller Chor. Und nur da ich weiss dass ich weiterfahren darf, werde ich nicht sentimental. Auch der Kapitän hat ein Gesangs-Solo: „Sie hiess Mary Ann und war sein Schiff". Und er singt das super. Allerdings nehme ich an, dass er nur von diesem Song den Text auswendig kann. Er hat uns das Lied nämlich bereits in der Arktis 2009 vorgesungen.
Übrigens findet die Abschiedsveranstaltung immer am zweitletzten Abend statt. Jedenfalls auf den Schiffen, mit denen ich schon unterwegs war. Weil, am letzten Abend müssen ja die Koffer gepackt werden und da hat man keine Zeit mehr, sich aufzubretzeln.


Kommentare an die Autorin sind willkommen!


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3. REPLIK:

by Manfred Reich, Freund aus Berlin, aufmerksamer Beobachter, selber seit kurzem bekennender Kreuzfahrer und bekannt als einer, der den Tatsachen fadengerade ins Auge sieht!

Immer noch unterwegs nach Montevideo

(Das denkwürdige Gespräch zw.Erwin u.Kapitän hat nicht am Vorabend vor dem Eintreffen in Montevideo, sondern schon einige Tage vorher stattgefunden.)

Auf der Brücke, 2.O hat Dienst, der Kapitän erscheint.

2.O:  (steht stramm) Ach – tung! (alle anderen Crewmitglieder auf der Brücke stehen ebenfalls stramm)


K:  Rühren, wir sind hier nicht bei der Marine. (schaut durch ein Fernglas aus dem Fenster).
Wie geht es dem Barkeeper?

2.O:  Hat einen Schock und eine leichte Unterkühlung, wir haben ihn doch noch rechtzeitig gefunden. Der Doc hat ihn vorsichtshalber in die Geschlossene verlegt.


K:  Wie geht es Erwin?

2.O:  Bitte?

K:  Dem Maître.

2.O:  Ach so. Er verkraftet den Entzug ausgezeichnet, spielt Offiziersskat mit dem Barkeeper.

K:  Ist der Autopilot wieder in Funktion?

2.O:  Ja, der Chief hat alles neu verdrahtet, wir sind wieder unabhängig von der Schweiz.


K:  Gut, gut. Von wem ist die Flasche Luxuscognac auf meinem Schreibtisch?


2.O:  Von der gesamten Mannschaft, wir wollten, dass Sie auch mal etwas anst..äh, dass Sie  auch mal anständig einen trinken, um den ganzen Ärger mit uns zu vergessen.

K:  So, so. Hat mich jedenfalls gefreut. Danke. Der Feueralarm ist übrigens sehr gut gelaufen.

2.O:  Danke Ch...äh. schön, dass Sie zufrieden waren. (Kapitän schickt sich an, die Brücke zu verlassen)

2.O:   (steht stramm)  Ach – tung!

K:  Weitermachen. (verlässt sichtlich zufrieden die Brücke).

2.O: (atmet hörbar aus)

Später, der Kapitän in der Küche beim Koch.

K:  Wieso müssen neuerdings die Passagiere die Speisekarte selbst schreiben? Haben Sie keine Lust mehr?

Ko:  Doch, doch, aber wir haben ein Problem. Seit der Maître ausgefallen ist und der Zahlmeister den Barkeeper ersetzt, sind wir mit der Lagerhaltung durcheinander gekommen. Wenn etwas dringend verarbeitet werden muss, bevor es schlecht wird, tun wir so als ob die Passagiere den Wunsch hätten, dass Sie genau das wollten. Wir arbeiten dabei eng mit Tisch 37 zusammen.

K:  Geht’s noch komplizierter?

Ko:   Kürzlich gab es zum Beispiel nur Windbeutel.

K:  Windbeutel?

Ko:   Windbeutel ist ein Gebä....

K:  Sie müssen mir nicht erklären was ein Windbeutel ist, vor allem nicht wenn SIE vor mir sitzen.

Ko:  Also die Gründelmayer hat genial dafür gesorgt, dass alle Passagiere unbedingt Windbeutel wollten. Wir hätten sonst 1Kubikmeter Schlagsahne wegschmeißen müssen. Außerdem war danach allen so kotzübel, dass der Umsatz an Kap..äh Schnaps um sagenhafte 267,4 % gestiegen ist.

K:  Komma vier ?

Ko:  Ja, seit der Zahlmeister die Bar übernommen hat liegen uns exakte Zahlen vor.

K:  Mit dem muss ich mich auch noch unterhalten. Bringen Sie mal Ihr Lager in Ordnung. Windbeutel.

Später im Gespräch mit dem Zahlmeister.

K:  Wie viele Passagiere fehlen uns eigentlich schon ?

Z:  Wie soll ich das verstehen Herr Kapitän?

K:  Waren Sie schon mal achtern an der Reling? Dort müssen immer wieder verzweifelte oder vor Heimweh kranke Passagiere von anderen Passagieren, in einem Fall sogar von mir persönlich, davon abgehalten werden über Bord zu springen.

Z:  Das ist ja grauenhaft. Ich werde sofort eine Überprüfung veranlassen.

K: Tun Sie das und dann Bericht an mich.

Später

Z:  Die Passagiere sind vollzählig, es werden aber 2 Crewmitglieder vermisst. Der Maître und der Barkeeper. Beim Maître ist man zuversichtlich ihn noch irgendwo im Schiff zu finden, die Spur des Barkeepers verliert sich allerdings nach der Übung „Mann über Bord", die kürzlich stattgefunden hat.

K:  Kein Grund zur Sorge, die beiden sind in der geschlossenen Abteilung vom Doc.

Z:  Wir haben eine geschlossene Abteilung?

K:  Ja und ich weiß nicht wie wir früher ohne ausgekommen sind.




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